„Sprachen verwirren sich in der Melanchthonkirche"
Beim imposanten Babel-Projekt mit Karin Moog und Ludwig Kaiser
26.05.2010 / Lokales
Von Carsten Marc Pfeffer
„Auf, lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner mehr die Sprache des anderen versteht“, so steht es in der Genesis. Seitdem gilt Kommunikation als unwahrscheinlich. Ein Zustand, der viel Konfliktpotential in sich birgt.
Babylonische Sprachverwirrung war das Thema des musikalischen Netzwerkprojekts „Babel“, zu dem sich sieben Stadtkirchen der Metropole Ruhr eine Woche lang zusammengeschlossen hatten, um eine pointierte Veranstaltungsreihe zu präsentieren. Unlängst fand in der Melanchthonkirche die Abschlussveranstaltung statt. Über Videoscreen miteinander vernetzt, schaute das Publikum in sieben Kirchen gemeinsam den Film „Babel“ mit Brat Pit und Cate Blanchett.,. Doch zuvor stand ein ungewöhnliches Konzert unter der musikalischen Leitung Ludwig Kaisers auf dem Programm.
„Für alle, die hier zu Hause sind, stellt sich immer wieder die Frage, wie Kommunikation in dieser gelebten Vielfalt gelingen kann“, heißt es im Grußwort der Schirmherrin Gesine Schwan. In diesem Sinne hatte Ludwig Kaiser ein Programm zusammengestellt, das viele Überraschungen bereithielt. Nach einem prachtvollen „Komm, Heiliger Geist“ von Johann Sebastian Bach auf der Kirchenorgel, begann das „Ensemble Improvise“, Rabanus Maurus „Veni creator Spiritus“ zu interpretieren. Immer wider unterbrochen von Passagen aus Fernando Pessoas „Buch der Unruhe“ – einfühlsam vorgetragen von Karin Moog – entstand so ein kontrastreicher Konzertabend. Besonders aussagekräftig war die brillante Sprechfuge von Ludwig Kaiser: die Sprachverwirrung verfängt sich im eigenen Rhythmus, es erfolgt eine gemeinsame Angleichung an den Klangkörper. Im Anschluss wurde mit Hildegard von Bingen der „Spiritus Sanctus“ angerufen.
So steht die multikulturelle Gesellschaft für Vielfalt und Authentizität. Folgerichtig wurden alsbald die sieben Kirchen miteinander vernetzt. Und Babel 2.0“ ging auf Verständigungskurs. Genial medial. Zum Schluss gab’s großen Applaus.