Organist Ludwig Kaiser beendet Festival
Von Jan Ehlert, WAZ 13, September 2006
Mit einem beeindruckenden Konzert voll ungewohnter Hörerlebnisse ist unlängst das Festival der Neuen Musik zu Ende gegangen. „Die Ekstase des Augenblicks" hieß das Programm, mit dem Organist Ludwig Kaiser seine Zuhörer aus dem Audimax der Ruhr-Universität in die klanglichen Welten moderner Orgelkompositionen entführte, die in der plötzlichen harmonischen vollakkordigen Klarheit des Lebenslichts (Oliver Messiaens „lumiere de la vie") ihren schmerzhaft-schönen Höhepunkt fanden.
Als roter Faden durch das Konzert dienten die „Zwölf Mantras" des amerikanischen Komponisten Steve Nelson Raney. Dabei handelt es sich um kurze, aber melodisch klare Stücke, die, in einer beständigen Wiederholungsschleife wiedergegeben, beruhigend-besinnliche Wirkung entfalten. Umso eindringlicher konnten sich die so eingebetteten Werke Messiaens oder Morton Feldmans entwickeln; Feldmans einzige Orgelkomposition „Principal Sound" baut auf ähnlichen sich wiederholenden Themen auf, überrascht jedoch aus diesem behaglichen Klangteppich mit unerwarteten Klangeskapaden, die durch diesen Kontrast umso aufmerksamer bemerkbar gemacht wurden.
Einen besonderen Gourmet-Happen des Programms stellte das selten gehörte, avantgardistische Werk Juan Allende-Blins dar, der gleichzeitig Lehrmeister Ludwig Kaisers war. Sein „Gesang einer Meeresmuschel" (Coral de Caracola) konzipiert - wie auch die Architekten des Audimax - den Konzertraum als „Muschel". Dumpfe, schwellende Töne füllen die ganze Weite des Raumes aus, scheinbar widerhallend von den Wänden. Erst nach geduldiger Wartezeit fallen tropfenweise auftretende Melodiesplitter in den schwebenden Tonteppich.
Ein Stück, das nicht nur hohe virtuose Anforderungen aufweist, sondern auch ein hohes Maß an Verständniss für den Komponisten voraussetzt. Mit seinem Konzert hat Ludwig Kaiser wieder einmal gezeigt, dass er sich in diesen Dimensionen mit scheinbarer Leichtigkeit zu bewegen weiß.