Licht in der Finsternis

Vom Licht in der Finsternis

Regelmäßig am Sonntag vor oder nach Epiphanias gibt in der Zionskirche der Bochumer Organist Ludwig kaiser ein auf bewunderswerte Weise nicht alltägliches Gastspiel.

Bewundernswert, weil seine Programmzusammenstellungen im Zeichen des Lichts mit der Ausnahmeklangwelt eines Olivier Messiaen und anderer Avantgarde des 20. Jahrhunderts bestückt sind. Die Betheler Musikgemeinde hat diese Herausforderung bis zum Hörabenteuer bemerkenswert gut angenommen. Einführungen an Klangbeispielen vorab auf der Orgelempore leisten gute Dienste, darauf sich die kommunikative Kraft von Ludwig Kaisers in jeder Hinsicht meisterlichem Orgelspiel entfalten kann.

„Die Finsternis vergeht, das wahre Licht erscheint“, stand diesmal über dem musikalisch-theologisch durchdachten Bogenschlag. Bar jeder simplen Hell-Dunkel-Kontrastierung, aber voll substanzieller Durchdringung. So, wenn auf die zärtliche Klangraum-Aufstellung in Messiaens weihnachtlichen „Ewigen Ratschlüssen“ die im Fortissimo aufschreienden „Hände des Abgrunds“ folgten und einen klangextrem aufgerissenen Register-Dialog zwischen Flehen aus der Tiefe und entrückter Verheißung des Höchsten vorstellten.

Zwiegewirkt auch Wolfgang Rihms „Bann, Nachtschwärmerei“ (1980), wo dem Titel entsprechend zwei Motive, ein bannend-kreisendes und ein diffus-ausstrahlendes, in groß angelegter Kleingliedrigkeit ausgesponnen sind. Dem (suitenrudimentären) Form, Spannung und Steigerung zu geben, zeichnete den Gast einmal mehr und mehr denn je als Meistermusiker aus. Demgegenüber hatte er – nach lichterfüllter „Pfingst“-Station bei Charles Tournemire – mit dem Orgelsolo aus Leos Janáceks „Glagolitischer Messe“ leichtes Spiel, die materialidentische Überlagerung eines „sprachmelodischen“ Kürzels mit seinen akkordischen Aussetzungen beredt zu machen und mit bannender Sogwirkung aufzuladen.

Beschluss mit der sechsten aus Messiaens „Meditationen über das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit“: Wie Ludwig Kaiser darin aus rhythmisch vertrackten gregorianischen Impulsen die Fleischwerdungs-Funken eines strahlenden Pleno-Klangs schlug, war er dem Komponisten ein visionärer Klanganwalt und die Schuke-Orgel sein optimal gehandhabtes Medium.

Neue Westfälische, 06.0.2004

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