Bielefeld. Am Epiphanias-Wochenende erwarteten den Orgelmusikfreund gleich zwei reine Messiaen-Konzerte. In der Altstädter Nicolaikirche verklang des Franzosen meistgespieltes und populärstes Werk, das 1935 wegweisend seinen Weltruhm begründete, der Zyklus "Die Geburt des Herren" mit Simon Reichert.
In der Betheler Zionskirche entsteht mit dem Bochumer Melanchthon-Kantor Ludwig Kaiser in lockerer Folge eine Messiaen-Gesamtschau. Gerade erst hat er fünf der "Nativite"-Sätze anregend in Bachs Weibnachtsoratorium eingeschaltet, jetzt standen ausgewählte Einzelsätze mit Epiphanias-Thematik aus dem rund 50-jährigen Orgelschaffen auf dem Programm.
Beizettel mit musiktheologischen Erläuterungen ums jeweilige Bibelwort gehören als Hörhilfe allenthalben zum guten Ton. Noch besser, wenn einem auch das kompositorische Material so anschaulich klangbeispielhaft nahe gebracht wird, wie in den jeweils halbstündigen Einführungen Ludwig Kaisers. ... Werturteile schärfen sich im Vergleich. Alles richtig, ist dem Spiel des jungen Detmolder Organisten Simon Reichert zu bescheinigen ... Der Orgelmusiker Reichert lenkt den Orgelmystiker Messiaen in eher strenge und gängige Klangbahnen.
Ludwig Kaiser dagegen lebt Klangmagie aus ... Gleich die "Drei Weisen"-Prozession zeigt mit ihrem irisierenden Gleichschritt den Unterschied. Und wo sich die Altstädter Orgelmusik in den gleichsam "Kirchenfenster-Musiken" eher wolkenbedeckt gab, herrscht hier Kaiserwetter, das etwa die vierte der "Meditationen über das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit" aus dem Jahr 1969 in ein Kaleidoskop von lichtdurchfluteter glühender Farbenpracht verwandelte ...
Ludwig Kaisers Messiaen-Interpretationen auf der Schuke-Orgel in der Zionskirche bieten maximale Geschmeidigkeit und Pointierung, Versenkung und Impulsivität. Er schlägt Funken aus den Modi und Metren, scheut auch vor der Banalität, die bei aller hochkomplizierten und -komplexen Ausgepichtheit manchmal mitschwingt, nicht zurück.
Kurzum: Er machte am Dreikönigstag das Mysterium der "Erscheinung" auf mitreißende Weise sinnlich.