Reformation

Die vergessene Reformation

Freitag, 10. März - Samstag 18. März
Melanchthonkirche Bochum

Die vergessene Reformation
oder: Über die verpassten Chancen einer ästhetischen Vision

Künstlerische Leitung: Ludwig Kaiser

Historischer Ausgangspunkt der Veranstaltungsreihe ist die Auseinandersetzung zwischen Martin Luther und Thomas Müntzer.

Martin Luther ist gesellschaftspolitisch verankert in seiner ‚Zwei-Reiche-Lehre’. Bei der Neuordnung des Evangelischen Gottesdienstes ist er liturgisch gefangen in einem ästhetischen Kompromiss durch das Additions- und Subtraktionsprinzip liturgischer Bausteine und die Kontrafaktur von Liedern. Luther ist direkt verantwortlich für schwere geschichtliche Fehlentscheidungen wie die Aufwiegelung der Obrigkeit gegen das 'Bauerngesinde' und Thomas Müntzer als den 'Satan von Allstedt'. In Deutschland starben in der Folge 100 000 Bauern. Müntzer wurde hingerichtet und in der Folge geschichtlich vergessen.

Thomas Müntzer ist geprägt durch ein revolutionäres Bestreben nach gesellschaftlichem Ausgleich und Gerechtigkeit, – "die Macht ist den Fürsten von Gott nur geliehen, ihre Aufgabe ist es Gerechtigkeit zu verwirklichen" – und einer ästhetisch gelungenen Neuordnung gottesdienstlichen Geschehens auf der Grundlage einer verdeutschten Gregorianik: ‚Deutsche Evangelische Messe’ / ‚Deutsches Kirchenamt’.
Müntzer war es, der als erster den Ablasshandel der katholischen Kirche anprangerte und deutschsprachige Gottesdienste einführte. Dennoch ist nicht er, sondern Martin Luther aufgrund der politischen Machtverhältnisse zur Ikone der Reformation geworden.

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